Als Antwort verweist der Papst auf die „geistliche Suche unserer Zeitgenossen, die viel reichhaltiger ist, als wir es vielleicht begreifen können“ und identifiziert in den Heilig Jahr Pilgern „Menschen, die die Herausforderung annehmen, ihre je eigene Reise zu wagen, die in einer so bewegten Welt wie der unseren […] das Bedürfnis verspüren, sich auf den Weg zu machen, zu suchen.“
Spontan musste ich beim Lesen dieser Abschlusspredigt zum Heiligen Jahr an unsere gemeinsame Wallfahrt zum Kreuzberg denken. Viele von uns sind den Weg hinauf zum Kreuzberg und zurück nach Würzburg schon oft gegangen. Was hat dich jeweils angetrieben? Was hast du gesucht auf dem Weg? Und was hast du gefunden? Oder was hat dich beim allerersten Mal den manchmal mutigen ersten Schritt gehen lassen?
Antworten sind mannigfaltig und jede Wallfahrerin und jeder Wallfahrer hat seine eigenen Antworten darauf. Sie alle aber sind Antworten, die - wie das vergangene Heilige Jahr gezeigt hat - Hoffnungen in uns wachhalten oder gar erst neu erstehen lassen.
Der 104. Deutsche Katholikentag, der im Mai 2026 in Würzburg stattfindet, hat sich Gleiches zum Motto gemacht: „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49). Er erinnert an die Begegnung des blinden Bartimäus mit Jesus. Eine Mutmachgeschichte für alle, die hoffen. Unser Bischof Dr. Franz Jung hat uns als Bruderschaft zum Heiligen Kreuz gebeten, einen Beitrag für einen von ihm herausgegebenen Sammelband zum Katholikentag zu verfassen. In der Entstehungsgeschichte dieses Textes habe ich die Vorstandschaft sowie einzelne Wallfahrerinnen und Wallfahrer, denen ich zufällig begegnet bin, mit der Bitte angesprochen, einige Zeilen zu schreiben, die ihre Wallfahrtserfahrung mit dem Thema des Katholikentags verbinden. Herausgekommen sind dabei sehr persönliche Einblicke in die Wallfahrts- und Lebensgeschichten unserer Bruderschaftsmitglieder. An dieser Stelle möchte ich mich bei Euch dafür ganz herzlich bedanken.
Zusammen mit Barbara Schebler und Markus Ewald entstand daraus ein Text, der die Grundhaltungen unserer Wallfahrt zusammenfasst. Der Sammelband soll noch vor dem Katholikentag erscheinen und ist sicher auch an unserem Stand beim Abend der Begegnung zu finden.
„Hab Mut, steh auf!“ – dieses Wort Jesu an Bartimäus könnte auch über unsere Kreuzbergwallfahrt 2026 stehen. Denn Wallfahren beginnt immer mit einem Aufstehen: aus dem Gewohnten, aus der Bequemlichkeit, manchmal auch aus Mutlosigkeit oder Zweifel. Es braucht Mut, den eigenen Weg zu gehen, sich mit offenen Fragen aufzumachen und nicht zu wissen, was einen unterwegs erwartet. Vielleicht ist es genau dieser erste Schritt, den viele von uns Jahr für Jahr neu wagen – im Vertrauen darauf, dass uns auf dem Weg jemand ansieht, beim Namen ruft und uns zutraut, mehr zu sein als das, was uns festhält.
Was sind es also für Menschen, die sich Jahr für Jahr aufmachen – auf den Kreuzberg oder an andere heilige Stätten? Und was haben sie gefunden? Darauf mag ich keine allgemeine Antwort geben. Denn sie ist zu individuell. Das hat mir dieses Buchprojekt gezeigt. Aber auch, dass es – wie der Papst sagt – Menschen sind, die es wagen, sich den Herausforderungen der Welt, der Gesellschaft, des eigenen Lebens und ihrer eigenen Geschichte zu stellen.
Im Rückblick auf das erste Jahr als Präses unserer Bruderschaft darf ich mich bei den Frauen und Männern der Vorstandschaft und bei Euch allen herzlich bedanken. Mit Respekt vor der Aufgabe und mit einem flauen Bauchgefühl bin ich in die letzte Wallfahrt gestartet, aber ich durfte ganz schnell erleben, dass das gemeinsame Wallen der letzten Jahre bereits die Verbundenheit geschaffen hat, mit der ihr mich in der neuen Aufgabe gestärkt habt.
Auch die in der Vorstandschaft besprochenen Veränderungen in der Wallfahrtsordnung oder beim Ablauf am Kreuzberg habt ihr mitgetragen, was ich nicht als selbstverständlich ansehe. Ein schönes Zeichen, dass es diese geistlich suchenden und neugierigen Menschen gibt, waren für mich einerseits die große Zahl der Erstwallfahrer des Jahres 2025 und die sichtbar jungen Gesichter auf unserem gemeinsamen Weg. Der Weg zum Kreuzberg bleibt der Gleiche, irgendwann gehen ihn andere Menschen, aber immer lebt in ihnen die Hoffnung auf die erlösende Kraft des Kreuzes.
Für die Wallfahrt im August 2026 wünsche ich uns allen, dass wir „im Besucher einen Pilger, im Unbekannten einen Suchenden, im Fernen einen Nahen, im Anderen einen Weggefährten erkennen“ (Leo XIV.).
Herzlich grüße ich Euch mit den besten Segenswünschen für das Wallfahrtsjahr 2026 – und freue mich auf das Wiedersehen, spätestens am 20. August.
Pfarrer Andreas Kneitz



